
Die Psychologie des Ostens verglichen mit westlicher Psychologie
In meinen vielen persönlichen Gesprächen mit Repräsentanten der unterschiedlichsten philosophischen oder religiösen Ausrichtungen wurde deutlich, wie wichtig es ist, die Unterschiede in der Denkungsart der Kulturen in Ost und West zu verstehen, um ein wirkliches Verständnis für die Denkinhalte des Ostens zu entwickeln. Es zeigte sich, dass wörtliche oder ungenügende Übersetzungen, die durch den westlichen Verstand gefiltert werden, ein anderes Bild, einen anderen Sinn ergeben, als es im Ursprungsland vorgegeben war. Vielfach ist es so, dass wesentliche Elemente geistigen Wissens und die daraus abgeleiteten Anwendungen, z.B. der Staatsphilosophie, in der Ethik des Miteinanders, in der Gestaltung der Gesetze, in der Medizin, kurz alle Bereiche in denen der Westen vom Osten lernen und wir aneinander teilhaben könnten, falsch oder ungenügend verstanden werden. Deshalb erscheint es von besonderer Wichtigkeit, und zum besseren Verständnis der Standpunkte beider Seiten notwendig, die Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Unterschiede in den Anschauungen und der Auffassungsgabe zu lenken, damit der jeweilige Wahrnehmungsfilter angepasst und damit entzerrt werden kann. Und es gibt noch einen beachtenswerten Aspekt dieser Gegenüberstellung. Anhand dieses Vergleiches erfahren wir etwas über die Eigenart unseres eigenen Denkens.
Diese Vorgehensweise dürfte insbesondere denen entgegen kommen, die der Überzeugung sind, dass ein bestimmtes Wissen bei uns verloren gegangen ist, oder ausgelöscht wurde und dass die östliche Weisheit und Tradition dieses Wissen für uns bereithält, um es wieder in unser Denken aufzunehmen. Mit der so gewonnenen Einsicht in das, wie sind die östlichen Begriffe zu verstehen, kann der westlich Denkende die für ihn bislang fremde Begriffswelt des Ostens so interpretieren, wie sie tatsächlich aus ihrem Ursprung und aus der Tradition überliefert wird. Denn wenn dieses Wissen augenscheinlich nicht in unserem bewussten Denken, sondern nur noch als eine Ahnung in unserem Unterbewusstsein existiert, ist ein wirkliches Verständnis und nicht die wörtliche Übersetzung von größter Bedeutung. Sonst wollte jeder nur das verstehen, was er ohnehin zu wissen vorgibt und interpretierte das, was er zu verstehen glaubt, nur in seine bisherige Weltsicht.
Deshalb ist die Unterscheidung zwischen östlichen und westlichen Denkweisen und die daraus resultierenden Anpassungen des bisherigen Verständnisses der Schlüssel mit dem wir uns die Weisheit des Ostens erschließen können und damit das uns verborgen erscheinende Wissen zurück erobern können. Die Schar von Übersetzern sollte sich als erstes dieser Aufgabe widmen, denn nur durch diese Begriffsklärung ist das jeweilige Publikum zu erreichen. Vor jedem Versuch sich verständlich zu machen, sollten jene ihr Publikum auf diese Unterschiede einstimmen und die Verständlichkeit ihrer Übersetzung demgemäß überhaupt erst ermöglichen.
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