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Durch die Jahrhunderte dauernde Abgeschiedenheit und Infolge seiner naturbedingten Isolierung ist es im Tibet gelungen, die Traditionen fernster Vorzeit, das Wissen um die verborgenen Kräfte der menschlichen Seele und die höchsten Erkenntnisse sowie esoterischen Lehren indischer Weiser, nicht nur in ihrer Reinheit zu bewahren, sondern lebendig zu erhalten.
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Wir können die Bedeutung der tibetischen Tradition für unsere Zeit und für die geistige Entwicklung der Menschheit nicht hoch genug schätzen. Der tibetische Buddhismus ist eines der letzten lebendigen Glieder, das uns mit den Kulturen einer fernen Vergangenheit verbindet. Die Mysterienkulte Ägyptens, Mesopotamiens, Griechenlands, der Inkas und Mayas, sind mit dem Untergang ihrer Kulturen bis auf einige vereinzelte Überlieferungen für immer unserer Wahrnehmung entzogen.
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Die alten Kulturen Indiens und Chinas, obwohl durch Literatur und Kunst weitgehend erhalten, sind dagegen von so vielen Schichten verschiedenartiger Kulturströmungen überlagert, dass es schwer ist, die einzelnen Elemente in ihrer ursprünglichen Natur zu erkennen.
Ganz anders beim tibetischen Buddhismus. Nun scheint die Zeit reif dafür zu sein, die durch mehr als tausend Jahre gehüteten Geistesschätze Tibets der Welt zugänglich zu machen.
Die hier angebotene Seminarfolge richtet sich an den interessierten Laien ebenso wie an den Kenner esoterischen Wissens. Durch den nach Schwierigkeitsgrad geordneten Aufbau der einzelnen Kurse ist ein leichter Einstieg in die mystische Praxis des tibetischen Buddhismus möglich.
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Tilopa's Grundlagen tibetischer Mystik
Tilopa (* 988; † 1069) war der bedeutendste indische Vorvater der Kagyü-Linie des tibetischen Buddhismus. Er wurde in Cittagong, Ost-Indien als Sohn einer Brahmanen-Familie geboren.
Er studierte bereits früh buddhistische Texte und meisterte sie. Tilopa arbeitete, nachdem er das Kloster verlassen hatte und viele Jahre meditiert hatte, nachts als Gehilfe einer Prostituierten und tagsüber als Sesamstampfer auf einem Markt in Ostindien. Von dieser Tätigkeit erhielt er auch seinen Namen: Til bedeutet "Sesamsamen" in Sanskrit.
Sein Hauptlehrer war der Freudenzustand des Buddha, Dorje Chang. Von ihm erhielt er in der Meditation direkt die Übertragungen des buddhistischen Tantra. Da dies für seine Schüler schwer nachvollziehbar war, zog er in Indien herum und sammelte nochmals alle Übertragungen von den alten Mahasiddha-Linien. Tilopa erhielt die Übertragungen von vier Lehrern aus verschiedenen Himmelsrichtungen. Danach ist die Kagyü-Linie auch benannt: Ka-Gyü ist die Kurzform von "Ka Bab Shi Gyüpa" - "Vier Ströme von mündlichen Anweisungen".

Die vier Ströme von mündlichen Anweisungen
In Übereinstimmung mit Jo Nang Taranatha sind Tilopa folgende Lehren übertragen worden:
Buddha Shakyamuni – Indra Bhodi – Visukapala – Saraha – Nagarjuna - Tilopa. Das Tantra hier ist das Guhyasamaja-Tantra (Sangwa Düpa), und übertragen wurde die Übung des Illusionskörpers und des Klaren Lichtes.
Shakyamuni – Indrabodhi - Sumati – Tanglopa – Schinglopa – Kanaripa – Dzalendaripa – Krishnacharia (oder Chariapa) – Tilopa. Tantra: Mahamaya-Tantra und Vajracaturpita-Tantra, Übung: Innere Hitze und Phowa
Shakyamuni – Indrabodhi - Drombipa – Vinasa – Lawapa – Tilopa. Tantra: Hevajra, Übung: Traumyoga
Shakjymuni – Ratnamati (Manjushri) – Sukhanata (Liebevolle Augen) – Saraha – Luipa – Tengipa – Darikapa – Sukhasiddhi (oder Sukhadhari und Gantapara) – Tilopa. Tantra: Chakrasamvara-Tantra, Übung: Innere Hitze und Bardo
Marpa ordnet in seiner Lebensgeschichte über Tilopa die Tantras und die Übungen etwas anders zu: Demnach erhielt Tilopa von Nagarjuna die Praxis des Illusionskörpers und die Praxen des Phowa und des Bardo, von Caryapa das Traumyoga, von Lavapa das Klare Licht und von der Dakini Kalpabhadra die Praxis der Inneren Hitze.
Tilopa wird als Verwirklicher mit Knochenornamenten und mit einem Fisch in der Hand dargestellt. Der Fisch ist auf seine Begegnung mit Naropa zurückzuführen, bei der er Fische fing und sie in der Pfanne briet, um das Vertrauen Naropas zu testen.
Naropa wurde Hauptschüler Tilopas, und später Linienhalter, der die Übertragungen wiederum an seinen Hauptschüler Marpa weitergab.
Naropa formte die Übertragungen zu den "Sechs Lehren Naropas". Sie bilden den "Weg der Methode" der Kagyü-Linie und sind bis heute neben dem "Weg der Einsicht" (von Maitripa an Marpa) der Hauptbestandteil der Kagyü-Schule. Die "Meditation auf den Lehrer" (Guru-Yoga) ist die Essenz des "Weges der Methode" und des "Weges der Einsicht". Alle führen sie zum Erleben des Mahamudra (Großes Siegel bzw. Großes Symbol).
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