Bewusstsein orientiert sich an unserer Fähigkeit wahrzunehmen
Mit den meisten unserer Bemühungen um Erkenntnisse, mehr Wahrnehmung, höheres Bewusstsein, geistige Fähigkeiten und erfolgreiches Denken, waren wir bisher auf die Grundlagen, die unsere Vordenker erarbeitet haben, angewiesen und durch sie geprägt. Ebenso sind unsere Erkenntnisfähigkeiten auf die systemischen Voraussetzungen unseres biologischen Apparates beschränkt geblieben.
Wie wir wissen sind diese Grundlagen der Einzeldenker oder Wissenschaftsteams gefärbt durch die politisch- sozialen Verhältnisse ihrer Zeit, durch den Staat, sowie durch den jeweiligen gesellschaftlichen Stand, aus der Herkunft des Einzelnen, durch Erziehung und Wesensart, aus deren Anlagen, Fähigkeiten und Erfahrungen, durch ihre Freiheit von Zensur oder ihrer möglicherweise existenznotwendigen Rücksichtnahme auf Zensurbehörden, durch ihre finanzielle Abhängigkeit oder Selbstständigkeit, durch wirtschaftlich orientierte Forschung, durch Freundschaften, Feindschaften, Lebensziele und was an manipulativen Kräften noch aufzuzählen währe.
Schon mit einigen wenigen Betrachtungen über unseren gegenwärtigen Entwicklungsstand lässt erkennen, welcher grossen Aufgabe wir gegenüberstehen. Wenn wir beobachten wie die Organismen sich entwickelt haben, können wir erkennen, dass jeder erfolgreiche Schritt in dieser Evolution eben nur einer Anpassung an jenes spezifische Milieu entspricht, das für sie zum gegebenen Zeitpunkt von Bedeutung ist. Aus dieser Tatsache lassen sich die Programme des Überlebenstriebes oder des besseren Überleben extrahieren. Die Biologen können bei ihren stammesgeschichtlichen Forschungen bis heute nicht Belegen, woher die Ur- Amöbe dieses treibende Programm hatte. Aber wir müssen die Frage zunächst auflassen, ob durch dieses Milieu nur bereits vorhandene Informationsmuster aktiviert werden oder ob der Organismus dadurch etwas neues lernt. In jedem Fall geschieht dies in der Fixierung, der Gebundenheit an das Milieu und der systemischen Voraussetzungen.
In unseren nun folgenden Betrachtungen bezeichnen wir Evolution als einen erkenntnisgewinnenden Prozess. Dabei wird Erkenntnis nicht als philosophischer Fachausdruck verstanden, sondern unterschieden, was die lebenden Systeme durch ihre allmähliche Anpassung an Gesetzmäßigkeit aus dieser Welt extrahierten, wie etwa unser Auge die Gesetze der Optik weitergebildet hat, und welche ideologischen Grundsätze unsere Wahrnehmung und damit unser Leben beeinflussen. Durch diesen Standpunkt, der die biologischen, stammesgeschichtlich begründbaren Gegebenheiten mit den religiösen oder ideologischen Überzeugungen vergleicht, wird der Erforschung des bedingt Seins des Erkenntnisphänomens jene Einschränkung genommen, die aus der Beschränkung auf die rationale Vernunft resultiert. Damit wird offensichtlich welche metaphysischen Gesetze es jenseits der physischen Bedingtheit gibt. Unsere Position unterscheidet sich also insofern grundsätzlich von der, welche die philosophische Erkenntnistheorie einnimmt, als die Grundlagen der Vernunft nicht aus ihren eigenen Prinzipien erschlossen werden, sondern durch eine vergleichend stammesgeschichtliche Erforschung eben aller Erkenntnisprozesse, nämlich jener die biologisch bedingt sind und jene die sich aus einer geistigen Tradition aus den Methoden herleiten lassen. Damit ist der Gegenstand der Untersuchung nicht mehr mit dem erkennenden Subjekt identisch, sondern befindet sich in der Hauptsache außerhalb desselben und die Methode bleibt die der vergleichenden Wissenschaft. Auf diese Weise wird jene Beschränkung vermieden, die entstehen muss, wenn sich die Erkenntnis aus der rationalen Vernunft des erkennenden Subjektes begründen soll.
Das Anliegen unserer Untersuchung ist die Lösung der Frage, unter welchen Entwicklungsbedingungen jene Mechanismen entstanden sind, von welchen wir annehmen müssen, dass sie die funktionellen Vorbedingungen der Entstehung unseres Bewusstseins bzw. unserer Vernunft darstellen; welcher Funktionen sie enthalten und wie sie sich selbst weiter differenzieren. Die Gesamtheit dieser biologisch bedingten vorbewussten Erkenntnisleistungen wird in der Wissenschaftssprache als der Ratiomorphe Apparat bezeichnet und reicht bis zum untrainierten sog. gesunden, unreflektierten Hausverstand. Nach der einen Seite ist er die Vorbedingung aller rationalen Reflexion, nach der anderen lassen sich die in ihm enthaltenen Erkenntnisweisen aus den Jahrmillionen der Stammesgeschichte entwickeln. Damit gelangen wir zunächst zu einem Gesamtbild jener Prinzipien, mit deren Hilfe alles Lebendige Kenntnis von dieser Welt gewinnt. Danach schauen wir, wie dieser Erkenntnisprozess durch die Gesellschaftsregeln, Ideologien, Religionen etc. moduliert wurde. Die Geschichte dieser Fragestellung ist nicht sehr alt. Vor zweieinhalb Jahrtausenden war es Buddha und in der jüngeren Zeit Freud und Jung die nach dem nicht Bewusstsein fragten. In der Wissenschaftswelt wurde der Gegenstand durch Piaget, durch Brunswik und Chomsky beschrieben, zu einer Naturwissenschaftlichen Frage durch Konrad Lorenz. Von letztgenannten wirkte er auf die Psychologie in Amerika und von Donald Campbell zurück auf die Philosophie Karl Poppers in Europa. Hier hat Gerhard Vollmer dieser Entwicklung einen Rahmen gegeben, der die Bezeichnung "Evolutionäre Erkenntnistheorie" trägt. Man erwartet, dass derselbe nun von empirisch prüfbaren Hypothesen gefüllt werde. Die Lösungen die dieses Konzept bietet stehen in gewissem Masse auf der Grundlage empirischer Prüfbarkeit. Sie betreffen die alten Probleme der Apriori, des induktiven generalisierenden Schließens und der Realität, im Einzelnen die der Gewissheit, des Vergleichens, der Kausalität und Finalität und zusammen das Trilemma der erkenntnistheoretischen Begründung der rationalen Vernunft. Zudem zeigt die in diesem Konzept angewande Logig, dass alle Erkenntnismechanismen nur für jenen Umweltbereich richtig sein können, für welchen sie selektiert wurden, und das die Art, wie sie unseren Erkenntnisgewinn anleiten, jenseits dieser Grenzen völlig falsch sind.
Die Grenzen des Erkenntnisvermögens folgen daraus. Und wir werden zeigen, auf welchem Wege die unreflektierte und reflektierte Vernunft diese Schranken, jenseits derer sie uns in die Irre leiten, gemeinsam überwinden können. Und da gerade im Milieu des Menschen die Grenzen jener wohladaptierten Anleitung weit überschritten sind, kann es nur von Nutzen sein, das Unvernünftige vom Vernünftigen in unserem Denken in objektiver Weise zu scheiden.
Einleitung
Ein Neugieriger, der sich aufmacht, etwas fundiertes über die Grundlagen seiner Vernunft zu erfahren, hat einen großen Anspruch angemeldet. Er will, bevor das Dickicht der Fakten und Argumente beginnt, seine Bewegung zu behindern, erfahren, woran er ist. Und das ist um so legitimer, als uns heute Sachbücher und halbseidene Seminare hin und her führen durch jene wunderbar gekrümmten Spiegelkabinette unserer Reflexionen über eine Welt, die an sich schon wunderlich genug geworden ist.
Diese Logig gibt Aufschluss über die biologischen Gegebenheiten bei unserer Wahrnehmung. Wir bedienen uns dabei zunächst der Methoden der Naturwissenschaften um Neues über die Strukturen und Prozesse des Lebens zu ermitteln. Dieser Ansatz ist kein philosophischer, da wir im Grunde davon ausgehen müssen, dass durch unsere biologische Bedingtheit in der Wahrnehmung keine höhere Erkenntnis möglich ist. So gesehen stellen wir die erkenntnistheoretischen Grundsätze der meisten Philosophen und Religionsstifter in Frage, da sich deren Prinzipien zweckgebunden an Überlebensmechanismen haften. Die Liebe zur Weisheit jedoch, die ihr Name enthält, teilen wir mit ihnen, indem wir diese, durch unsere Biologie bedingte, Begrenzung unserer Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeit überwinden lernen.
Wir sind zunächst nicht bereit die Betrachtungen aus der Naturwissenschaft zu verlassen; und zwar deshalb, weil lediglich >>in der Wissenschaft (im Gegensatz zur Philosophie) nur jene Theorien überleben, die sich an der Erfahrung bewähren.<< Dies ist enorm wichtig. Denn einige Konsequenzen, die wir aus unseren Untersuchungen werden ziehen müssen, sind einschneidend. Ihre objektive Prüfbarkeit muss daher Teil des Ethos sein, mit dem wir an die Sache herangehen. So werden manche Konsequenzen über die Biologie im traditionellen Sinn hinausgehen. Wir müssen bedenken, dass die Begründung der Biologie selbst außerhalb ihres Rahmens liegt, nämlich im Methodensystem der Wissenschaft insgesamt gesehen; und dieses entsteht durch die Mittel unseres Erkenntnisvermögens und ist wiederum dadurch Begrenzt.
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